Franziskusbau

Der Franziskusbau war das Herzstück der „Schule für Körperbildung, Landbau und Handwerk“. Hier wurde Gymnastik unterrichtet, die Feste im Jahreslauf gefeiert, die Toten aufgebahrt, Theater gespielt, Fastnacht gefeiert oder Konzerte gegeben. Er war damit der zentrale Gemeinschaftsbau Lohelands und ist es noch heute. Die Rudolf-Steiner-Schule nutzt den Bau neben den Bewohner:innen für Monatsfeiern, für Theater- oder Volkstanzaufführungen oder Eurythmieabschlüsse. Auch für Tagungen oder Feiern wird der Bau als Veranstaltungssaal vermietet.

An der Stelle des Franziskusbaus stand von 1919 bis 1923 eine Holzbaracke mit dem ersten Gymnastikraum Lohelands, die jedoch abbrannte. Erste Pläne für einen Festspielbau in Loheland hatte schon der Architekt Jakob Detlef Peters um 1922 angefertigt. Der heutige Franziskusbau entstand im Laufe von nahezu sechs Jahrzehnten in drei Bauabschnitten:

1924

Erster Bauabschnitt: Festsaal und gymnastischer Unterrichtsraum, zur Erweiterung vorgesehen (linkes Gebäudeteil auf dieser Geländestufe).

Idee: Louise Langgaard, eine der Gründerinnen Lohelands
Fachliche Umsetzung: Architekturbüro Walther Baedeker,
Hamburg

1925

Heizhaus (ursprünglich separat auf der unteren Hangstufe links gelegen)

1928/29

Zweiter Bauabschnitt: Der wegen der Weltwirtschaftskrise unvollendet blieb. Von den bis zur Baureife vorangetriebenen Planungen wurden nur die beiden Gewölbe im Souterrain realisiert,
die der eigentlichen architektonischen Idee ergänzend hinzugefügt worden waren: Die Entwürfe hatten neben der Erweiterung der Übungs- und Umkleideräume eine spektakuläre Freiluftbühne auf dem Flachdach des im Bauabschnitt 1 erstellten Hauses mit
einer die gesamte Hausbreite umfassenden Außentreppe vorgesehen.

Idee: Louise Langgaard

Fachliche Umsetzung: Architekturbüro Walther Baedeker,
Hamburg

1981/82

Dritter Bauabschnitt: Die bestehenden Gebäudeteile wurden zum heutigen Franziskusbau mittels eines Treppenhauses aus Beton
zusammengefügt und mit einem neuen Dach überbaut. Das Stockwerk auf dieser Hangstufe dient als Festsaal mit neu eingebauter Bühne. Das Zwischengeschoss sowie der untere Teil mit den Gewölben und dem ehemaligen Heizhaus
werden heute vom Hort der Rudolf-Steiner-Schule genutzt.

Idee und Umsetzung: Architekturbüro Klaus Rennert, Kassel

Aus Sicht einer Loheländerin

Durch das unerwartet schnelle Anwachsen der Schülerzahl der Rudolf-Steiner-Schule sahen wir uns genötigt, jetzt endlich die Erweiterung des Franziskusbaues in Angriff zu nehmen. Die Architekten Rennert und Ebinger sollten einen Erweiterungsbau schaffen, der sich an unseren alten Franziskusbau nahtlos und ohne Stilbruch anschließt. Aber es wurde ein schwieriges Unternehmen vor allem dadurch, dass wir das alte Baumaterial, den schönen rötlichen Sandstein, nicht mehr bekommen konnten, so dass ein anderes Material gewählt werden musste: Holz und Beton.
Die Aufgabe ist gelungen. Ein heller Vorraum mit hohen Fenstern verbindet die beiden Gewölbe, die in den Bau einbezogen sind, ebenso das Heizhaus. Von außen, vom Waldplatz aus gesehen, liegt der gewaltige Bau breit hingelagert und macht einen geschlossenen Eindruck. Innen haben wir einen sehr großen Bühnenraum gewonnen, dazu viele Nebenräume.

Elisabeth Hertling, Das Entstehen und das Werden der Schulsiedlung Loheland, 1984,
aus Drei Frauen – drei Geschichten – Loheland Stiftung, Seite 194